FondsAG bringt Steiermark auf Innovations-Überholspur

Im Jahr 2000 hat die StBFG darüber hinaus ein Venture-Capital-Beteiligungsmodell ausgearbeitet, mit welchem bereits einige innovative Start-up-Unternehmen finanziert wurden. Mit aktuell rund 30 Beteiligungsunternehmen repräsentiert das Portfolio der StBFG einen Querschnitt der innovativsten steirischen Unternehmen.
Aufgrund EU-wettbewerbsrechtlicher Bestimmungen ist dieses bestehende Venture-Capital-Modell jedoch nur für Kleinunternehmen (bis zu 50 Mitarbeiter), deren Gründung maximal fünf Jahre zurückliegt, einsetzbar und somit kann die Zielgruppe der etablierten Unternehmen im Bereich der Expansionsfinanzierung nicht bedient werden.
Neuer steirischer Technologie- und Wachstumsfonds
Um nun auch bei Expansionsfinanzierungen innovativer steirischer Unternehmen entsprechendes Risikokapital anbieten zu können, entsteht auf Initiative von Wirtschafts- und Innovationslandesrat Dr. Christian Buchmann (ÖVP) der „Steirische Technologie- und Wachstumsfonds“, der in einem ersten Schritt (First Closing) mit einem Kapital von 13,5 Millionen Euro ausgestattet wird.
Bereitgestellt werden die Mittel von der Raiffeisen-Landesbank Steiermark AG (4,0 Mio. Euro), der Steiermärkischen Bank und Sparkassen AG (4,0 Mio. Euro), der Grazer Wechselseitige Versicherung AG (2,0 Mio. Euro), der Management Trust Holding AG (1,0 Mio. Euro) sowie dem Land Steiermark (2,5 Mio. Euro). Das Vermögen des Fonds soll in weiterer Folge auf zumindest 20 Mio. Euro anwachsen. Das Management des Fonds übernimmt die im Einflussbereich von Dr. Josef Taus stehende IPO Beteiligungs-Management AG, die bereits das Management der Fonds in Burgenland und Wien übernommen hat.
Wachstumschancen für steirische Unternehmen
„Vorrangiges Ziel des Fonds ist, innovativen steirischen Unternehmen mittels adäquater Risikokapitalinstrumente Chancen für mehr Wachstum zu geben“, so Landesrat Buchmann. Im Fokus für Investments stehen somit in erster Linie steirische Unternehmen; sofern positive Auswirkungen auf die Wertschöpfung von steirischen Unternehmen zu erwarten sind, sind auch Investments in den angrenzenden Regionen nicht generell ausgeschlossen.
Der Fonds in der Form einer Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft soll vor allem Expansionen, Investitionen und Übernahmen (Buy Outs) finanzieren, wobei grundsätzlich Minderheitsbeteiligungen von mindestens 0,5 Mio. Euro, maximal 20% des Fondsvolumens, eingegangen werden sollen. Die Laufzeit des Fonds ist mit 10 (plus 2) Jahren befristet, das Potenzial für diese Risiko-Finanzierung sehen die Experten derzeit in der Steiermark bei 8 bis 10 Firmen gegeben.
Dr. Ernst Rath von der Steiermärkischen Sparkasse meint: „Gerade junge, technologie- und wachstumsorientierte Unternehmen stellen Banken oft vor große Herausforderungen, weil klassische Kreditinstrumente zur Finanzierung dieses Weges nicht ausreichen bzw. oft an die Grenze stoßen. Insbesondere dann, wenn Betriebsgröße, notwendiges Investitionsvolumen und Eigenkapital (noch) nicht im Einklang stehen. Auf die Notwendigkeit einer adäquaten Eigenkapitalquote gerade in Zeiten von Basel II braucht nicht gesondert hingewiesen werden. Mit dem neuen gemeinsamen Fonds steht nun schwerpunktmäßig auch der steirischen Wirtschaft ein Instrument zur Verfügung, um das notwendige Eigenkapital zur Verfügung zu stellen. Dies ist gleichzeitig ein Beitrag dazu, gegenüber anderen Ländern in Westeuropa oder den USA an Boden aufzuholen. Die Steiermärkische Sparkasse als Mitinvestor bekennt sich als Partner der steirischen Wirtschaft zum vorliegenden Venture-Capital-Fonds, der die logische Weiterführung der schon bestehenden Instrumente der Wirtschaftsförderung ist und damit die "Lücke nach oben" schließt. Der Erfolg des Fonds hängt sowohl vom Kapital der Investoren als auch dem professionellen Management der IPO Beteiligungs-Management AG ab, und letztlich auch von der Bereitschaft der in Frage kommenden steirischen Betriebe, dieses Instrument zu nutzen und gemeinsam mit Dritten einen erfolgreichen Wachstumsweg zu gehen."
VDir. Mag. Johann Jauk ergänzt seitens der Raiffeisen-Landesbank:
"Als Partner der Steirischen Wirtschaft und führende Kommerzbank in der Steiermark räumt die Raiffeisen-Landesbank Steiermark AG innovativen Finanzierungen einen sehr hohen Stellenwert ein. Eigenkapital ist nicht nur in Zeiten wie diesen ein knappes Gut und für das Wachstum im erweiterten Europa von entscheidender Bedeutung.
Venture Capital ist Eigenkapital und verbessert damit die Wettbewerbsfähigkeit und insbesondere auch das Rating eines Unternehmens. Im Sinne der Steirischen Wirtschaft befürwortet die Raiffeisen-Landesbank Steiermark AG als führende Kommerzbank diesen Technolgie- und Wachstumsfonds ganz besonders.
Die Raiffeisen-Landesbank Steiermark AG unterstützt diese Aktivitäten des Landes Steiermark sehr gerne, insbesondere wenn die Management Trust Holding AG mit Herrn Dr. Josef Taus eine führende Rolle dabei übernimmt.""
GD Mag. Dr. Othmar Ederer von der Grazer Wechselseitigen Versicherung sieht im Fonds eine konsequente Weiterentwicklung des Gründungsgedankens der GraWe durch den damaligen „Wirtschaftsförderer“ Erzherzog Johann: „Das damals wie heute bestehende Ziel war, sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gegenseitig zu unterstützen und zu helfen. Unsere Zielgruppe sind seit jeher die zahlreichen und für die steirische Region typischen Klein- und Mittelbetriebe sowie der Agrarbereich. Sowohl die Grazer Wechselseitige als auch der Steirische Technologie- und Wachstumsfonds haben damit ihr besonderes Augenmerk auf diese Zielgruppe gelegt, um Mittel zur Förderung dieser für die Steiermark wirtschaftlich wichtigen Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus ist es unser Anliegen, den wirtschaftlichen Aufschwung unseres Bundeslandes beizubehalten. Die Steiermark ist bereits seit Jahren im österreichischen Spitzenfeld in Bezug auf Innovation, Umwelt, Forschung und Entwicklung und Aus- und Weiterbildung vertreten. Damit die steirische Wirtschaft weiterhin dynamisch und leistungsfähig bleibt und der Standort Steiermark gestärkt wird, wollen wir uns gerne engagieren!“
Warum Venture Capital?
Im globalen Wettbewerb nimmt ein gut funktionierender Kapitalmarkt eine entscheidende Rolle ein. Neben wesentlichen Fragestellungen wie etwa einem intakten Bankensystem, einer funktionierenden Wertpapierbörse etc. spielt zum Thema Unternehmensfinanzierung die Möglichkeit der Mittelaufbringung in Form von Eigenkapital (Private Equity, Venture Capital) eine immer wichtigere Rolle. Die Begriffe „Private Equity“ und „Venture Capital“ beschreiben dabei Instrumente zur Unternehmensfinanzierung, wobei sich spezialisierte Gesellschaften (Venture Capital Fonds) mit Eigenkapital an Unternehmen beteiligen und die erworbenen Gesellschaftsanteile nach einigen Jahren wieder verkaufen. Im Gegensatz zur Kreditfinanzierung wird die Bereitstellung von Venture Capital somit nicht von beleihungsfähigen Sicherheiten, sondern vielmehr vom Wachstums- und Wertsteigerungspotenzial des Unternehmens abhängig gemacht.
Das Einsatzgebiet für Venture Capital lässt sich grob in zwei große Bereiche gliedern:
* Zum einen dient es der Finanzierung von jungen, technologieorientierten Unternehmen (sogenannte Start-up- oder Early-stage-Unternehmen) in innovativen Sektoren, deren Zugang zu Fremdkapital aufgrund nicht vorhandener Sicherheiten zumeist stark eingeschränkt ist;
* Zum anderen kann Venture Capital in Expansions- oder Veränderungsphasen von bereits etablierten Unternehmen zum Einsatz kommen, wenn die verfügbaren Fremdkapitalquellen nicht ausreichen um Wachstumsschritte (zB Akquisitionen) oder unternehmerische Veränderungsprozesse (zB Buy-Outs, Unternehmensnachfolge) zu bewerkstelligen.
Venture Capital erhöht Wohlstand
Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Risikokapitalfinanzierung wurde bereits eindrucksvoll dokumentiert. So haben beispielsweise Untersuchungen in den USA eine stark positive Korrelation zwischen Venture Capital Investitionen in einer Region und deren wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit gezeigt. Die 25 US-Bundesstaaten mit dem größten Anteil an Venture Capital Investments weisen demnach auch das höchste durchschnittliche Produktivitätswachstum, das höchste durchschnittliche BIP pro Kopf sowie auch die höchsten Durchschnittslöhne auf.
Auch in Europa liegt umfangreiches Material vor, in dem die wichtige Rolle von Risikokapital bei der Schaffung von Arbeitsplätzen und Wohlstand empirisch nachgewiesen wird. So gelangt eine im Auftrag der European Venture Capital Association (EVCA) Ende 2005 verfasste Studie zum Schluss, dass Dank Private Equity und Venture Capital in Europa seit dem Jahr 2000 eine Million neue Arbeitsplätze geschaffen worden sind. Die Mehrzahl dieser Arbeitsplätze (630.000) entstand in Start-up-Unternehmen, die mit Venture Capital finanziert wurden.
Österreich hinkt hinterher
Es ist hinlänglich bekannt, dass die Risikokapitalfinanzierung in Österreich im Vergleich zum amerikanischen Wirtschaftsraum, in jüngerer Zeit aber auch im Vergleich zu europäischen Wachstumsregionen (zB Großbritannien, Niederlande etc.) noch in Kinderschuhen steckt. Während in Europa Private Equity Investments im Jahr 2004 bereits 36,9 Milliarden Euro
erreichten, wurden in Österreich bescheidene 141 Millionen Euro an Risikokapital in Unternehmen investiert. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt wird demnach in Gesamteuropa rund sechsmal mehr investiert als in Österreich.
Ein wenig dynamischer entwickelte sich 2005 hingegen die Mittelbeschaffung (Fundraising) für zukünftige Investitionen. Während die österreichischen Venture Capital Fonds 2004 nur rund 122 Mio. Euro an frischem Kapital einwerben konnten, waren es 2005 immerhin rund 217 Millionen Euro.
Venture Capital Fonds der Bundesländer
Um diesem Marktversagen im Bereich der Risikokapitalfinanzierung entsprechend entgegenzuwirken, haben einzelne österreichische Bundesländer in der jüngeren Vergangenheit eigene Venture Capital Fonds ins Leben gerufen. Gegenwärtig gibt es in Wien den „Wiener Wachstumsfonds“ mit einem Volumen von 32 Mio. Euro, in Salzburg den Fonds „Zukunftsland Salzburg“ mit einem Veranlagungsvolumen von 57 Mio. Euro, des Weiteren den Venture Capital Fonds „Athena Burgenland“ mit einem Volumen von 30 Mio. Euro sowie in Kärnten den BABEG Beteiligungsfonds, der mit einem Volumen von 10 Mio. Euro startete; gegenwärtig wird in Kärnten an einem Nachfolger-Fonds mit einem Volumen von etwa 30 Mio. Euro gebastelt.